Soil Patches

2025-2026 Bonnefanten

Maastricht, NL

Soil Patches - eine Installation von Frauke Berg und Oliver Gather

Eine mit Kamera ausgerüstete PET-Flasche bewegt sich über die Bodenkruste von 4 unmittelbar benachbarten Landschaftsgefügen – Autobahn, Flughafen Maastricht, Wiese mit ehemaliger Deponie, Wirtschaftswald. Die entstandenen Bilder werden in der Mitte dieser Gefüge, auf einer Streuobstwiese sichtbar. Wir suchen – bewusst unbeholfen, tastend, ungeschickt – nach neuen Blickwinkeln, die Landschaft nicht objektifizieren, sondern aus ihr hervorgehen.

 Mit „zwei linken Händen“ forschen wir nicht trotz, sondern gerade wegen unserer Unzulänglichkeiten, – als „spekulative Fabulation“.

Um diese Bodenflecken wahrzunehmen, wechseln wir die Perspektive: weg von der aufgerichteten, menschlichen Sichtweise, hin zu einer Perspektive aus dem Boden heraus. Nicht mehr der Mensch „beäugt“ die Landschaft – vielmehr scheint der Boden selbst zu schauen. Er sieht sich selbst, die Pflanzen, Gräser, den Asphalt und den Himmel. Er sieht auch die unbeholfene menschliche Figur, die versucht, sich ein Bild zu machen: eine PET-Flasche mit Kamera hinter sich herziehend, beschuht mit Loafern, die Mikrofone tragen.

Wissenschaftler*innen wie Anna Lowenhaupt Tsing arbeiten mit dem Konzept der Patches – kleinräumigen Flecken, in denen sich globale Prozesse ungleich entfalten und doch miteinander verflochten sind. Das Anthropozän erscheint so nicht als homogene Epoche, sondern als Flickenteppich: Orte industrieller Landwirtschaft, Abraumhalden, Restwälder, Ressourcen-Ausbeutung, Städte, Wildnisinseln und vieles mehr. Diese Patches sind verbunden, aber niemals identisch. Zugleich eröffnen sie Nischen und Überlebensräume – für Pflanzen, Tiere und auch für Menschen.

Im Umfeld einer Streuobstwiese der Künstler*innen Stefan Cools und Sandra van den Beuken lässt sich diese Situation exemplarisch erfahren. Rund um die nachhaltig gepflegte Wiese liegen, fußläufig erreichbar, der Maastrichter Flughafen, die Autobahn A2, ein alter geschichtsträchtiger Restwald, eine versiegelte Mülldeponie, auf der seltene Orchideen wachsen, und die Spuren von Wildschweinen, die sich in diesem Gefüge ihre Räume suchen.

Die Aufnahmen aus den vier erkundeten Flecken haben wir auf die Streuobstwiese gebracht und dort im Boden platziert – man nähert sich dem Bewegtbildern wie einem symbolischen Lagerfeuer, an dem wir den „Geist aus der Flasche“ entlassen. Vielleicht können wir uns daran ein wenig wärmen: im gemeinsamen Fragen, wo es keine einfachen Antworten gibt.

Im Mittelpunkt unseres Projekts steht die Wahrnehmung: der Versuch, eine andere Art zu entwickeln, das zu beschreiben, was uns umgibt. Wir suchen – bewusst unbeholfen, tastend, ungeschickt – nach neuen Blicken, die nicht auf Landschaften gerichtet sind, sondern aus ihnen hervorgehen.

Um diese Bodenflecken wahrzunehmen, wechseln wir die Perspektive: weg von der aufrechten, menschenzentrierten Sichtweise hin zu einer Perspektive aus dem Boden selbst. Nicht mehr der Mensch „beobachtet“ die Landschaft – vielmehr blickt der Boden selbst. Er sieht sich selbst, die Pflanzen, Gräser, den Asphalt, den Himmel. Er sieht auch die ungeschickte menschliche Gestalt, die versucht, einen Sinn zu finden: eine PET-Flasche mit Kamera hinter sich herziehend, in mit Mikrofonen ausgestatteten Loafern vorwärts schreitend. 

Soil Patches von Frauke Berg und Oliver Gather ist kuratiert von Celine Govaerts, Bonnefanten Museum, Stephan Cools and Sandra van den Beuken, Stiftung @thebutterflyhouse_nl in Maastricht.

Im Rahmen des Festivals „Blunderen – the art of failure in the face of ecosystem breakdown“. 2025-2026.

Vier eingegrabene PET-Flaschen, Video, Sound, Kopfhörer, zwölf Sitzhocker, Schirme, Decken

eingegrabene PET-Flaschen

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Recherche / Produktion (2025)

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